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von Albrecht Ebinger

Inspiriert und beim Bau begleitet hat mich das sehr gute Foto im
Bildband „Schwäbische Eisenbahn“ von Bernd Beck. Es zeigt einen
Wagen aus der Zeit nach Gründung des Güterwagenverbandes der
Firma Waggon Metzger, welche Niederlassungen in Berlin, Wien und
Stuttgart besaß. Nachdem es zahlreiche authentische Bierwagen im
Handel gibt, sah ich die „dringende Notwendigkeit“, ein dem
Original exakt nachempfundenes Modell eines Württembergischen
Weinfasswagens zu bauen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich
gerne ein Gläschen trockenen Rotwein trinke.
Der Bau war alles andere als ein Kinderspiel! Verwendet wurden
folgende „Utensilien“:
1. Ein Fleischmann-Güterwagen der Bauart Breslau mit
Bremserhaus.
2. Lindenholz Bretterplatten von Northeastern, Brettbreite 2,2
mm und 0,8 mm dick,
3.
Messingblech-Streifen, 1 mm breit, 0,2 mm dick* für die
Zugbänder Winkel und Bügel.
4. Polystyrol-Streifen von evergreen, 1,2 mm breit, 0,3 mm
dick für die Fassreifen und Profile 1x1 mm zur Einfassung der
bremserhausseitigen Stirnwand
5. Rundholz aus Buchenholz für die Fässer mit 26 bis 30 mm Ø.
6. 5 Senkopfschrauben M 1, 10 mm lang
7. 4 Senkkopfschrauben M 1, 5 mm lang
8. Messingdraht halbhart, mit 0,3, 0,4, 0,5 und 0,7 mm Ø
9. Kunststoffreste verschiedener Dicke
10. Sprühlack schwarz, seidenmatt
*Früher erhältlich von Nemec bzw. Schullern.
Der Breslau wurde zerlegt und entlang der Langträger-Innenkanten
von oben ein Streifen 2,5 breit und 0,8 mm herausgefräst, dass
der verbleibende Rand noch 1,5 mm breit war und der aus dem
Brettprofil hergestellte Boden 89 x 26,5 mm Platz fand.
Die bremserhausseitige Stirnwand - Breite 25,5 mm, Höhe 18 mm -
wurde aus gleichem Material gearbeitet und auf der Rückseite
Brettfugen mit einem harten Bleistift eingeritzt. Die
Profil-Umrahmung der beiden Seitenkanten und der Oberkante wurde
aus 1 x 1 mm evergreen-Profilen gebildet.

Für die Fässer wurden zunächst aus Rundholz drei Rohlinge mit je
30 mm abgelängt und auf 28 mm Länge auf einer Proxxon
Drehmaschine plangedreht, danach die Fassböden 1 mm tief
herausgearbeitet mit einem Innendurchmesser von 21 mm. Zur
Herstellung der Fassrundung wurden zwei tellerförmige Aufnahmen
benötigt, welche genau in die ausgefrästen Böden passten und
sich ins Drehfutter einspannen ließen und auf der Gegenseite im
Bohrfutter mitlaufend angeordnet werden konnten. Die Wölbungen
wurden nun mit einer Holzraspel freihändig hergestellt und mit
feinem Schleifpapier geglättet.
Die Fässer, der Wagen-Boden und die Stirnwand wurden nun mit
Cetol Holzlasur (HLS) 009 (Dunkeleiche) lasiert, die umlaufenden
Profile an der Stirnwand mit einem feinen Pinsel
seidenmattschwarz gestrichen.
Die Fasstürchen wurden nun mit einem kopfstehenden 4 mm hohen U
angedeutet, wozu die Form aus einem Konservendosenblech-Streifen
gebogen und dann mit einem kleinen Hammer markiert wurde. Auf
die senkrecht stehende Maserung der Böden wurde geachtet, um die
die Brettfugen anzudeuten. Die zugehörigen drei Riegel
entstanden aus evergreen-Profil 1 x 1 x 5 mm und wurden an
beiden Seiten angeschrägt. Die „Verschraubungen“ bestehen aus
Drahtstückchen mit 0,3 mm Ø. Die plan gefeilten Enden stehen ein
wenig hervor.
Die Fassreifen bestehen aus 1,2 mm breiten evergreen-Streifen,
welche zuvor schwarz besprüht werden. Nach Trocknung wurden nun
pro Fass beidseitig je vier Streifen im Abstand von ca. 2 mm,
beginnend mit den äußeren Reifen um die Fässer gelegt und mit
Nitroverdünnung vorsichtig fixiert. Die Stöße wurden an die
später nicht sichtbaren Unterseiten der Fässer gelegt.
Die 6 Fasslager-Wangen wurden aus 1,5 mm dicken
Kunststoffresten hergestellt, 22 mm lang und 6,5 mm breit und
die Kreisausschnitte herausgearbeitet. Der Radius entspricht den
Fass-Enden. Nun wurden paarweise die Bohrungen mit 0,7 mm Ø
eingebracht und aus halbhartem Messingdraht gleichen
Durchmessers die 28 mm langen Verbindungsstangen montiert, wobei
die Enden ca 1 mm seitlich herausstehen und vorher plan gefeilt
wurden. Die äußere Breite des Lagers beträgt 25,2 mm. Vor
Montage wurden die Teile mit Dosenlack mattschwarz besprüht.
Zur Befestigung der Fässer und der Lager wurden nun mittig zur
Längsachse Löcher in den Wagenboden gebohrt und die Fässer mit
10 mm langen Senkschrauben befestigt.
Nun wurden die Zugbänder und Spannstangen zur Sicherung der
Fässer gegen seitliches Verschieben gefertigt und montiert, eine
äußerst „fieselige“ Arbeit, die sehr viel Geduld erforderte! Als
Letztes folgten die Spannkeile zwischen den Fässern.
Nun konnte die Stirnwand stumpf auf den Wagenboden geklebt
werden, wobei die rückseitig eingeritzten Bretter gegen die
Fässer zeigen sollten.
Jetzt kamen die Anschriftenschilder dran. Sie entstanden aus 0,2
mm Blech und haben pro Paar die Maße 25 x 10 mm und 16,5 x 7 mm.
Zur Befestigung wurden unten Messingdraht-Stückchen mit 0,4 mm Ø
angelötet und die überstehenden Enden auf 0,7 mm gekürzt. Im
entsprechenden Abstand wurden 0,4 mm Löcher zur Befestigung der
Schilder in den Langträger gebohrt. Die großen Schilder fluchten
mit der linksseitigen Innenkante der jeweils äußeren
Langträgerstützen, die kleinen Schilder wurden 21 mm von der
rechten Innenkante der Stützen angebracht. Unter dem
Anschriftenfeld der großen Schilder wurden noch Zettelhalter
angebracht.
Nun konnten die Fässer samt Boden vorsichtig aufgesetzt werden.
Die Befestigung des Bodens erfolgte von unten durch vier 10 mm
lange M 1-Senkschrauben. Als I-Tüpfelchen und Schlusspunkt
wurden jetzt noch 0,7 mm Löcher für die Spundlöcher oben mittig
in die Fässer gebohrt und kleine Linsenkopf-Nägelchen
eingeklebt. Mit feinem Pinsel wurden sie nun sowie kleine
Farb-Fehlstellen mit seidenmattem schwarzem Lack gestrichen.
Ach ja, es fehlte natürlich noch die Beschriftung. Diese habe
ich in stundenlanger Arbeit auf dem PC hergestellt, wobei ich
mich bezüglich der Buchstabengröße an diversen
Fasswagen-Modellen und natürlich am Original-Foto orientiert
habe. Das offizielle Anschriftenfeld entspricht der Normschrift,
das Eigentümerschild wurde aus der Schriftart „Franklin Gothic
Medium C“ gebildet.
Gekürzte Wiedergabe des ausführlichen Berichts in Heft 4/07 des
Eisenbahn-Journals mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Albrecht Ebinger
Württembergische
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