Die Signale
Notiert euch alle sofort: Eine Notiz ist eine Karrenladung Gedächtnis wert.
(Ralph Waldo Emerson, amer. Philosoph, 1803 - 1882)
Bei schwarzweißen Photographien fragt man sich oft, welche Farben die
abgebildeten Signale hatten. Zum Glück sind einige Vorschriften bekannt, die das Rätsel weitgehend lösen.
Nachtzeichen
Die Signalordnungen für das deutsche Reich von 1892
[Pottgießer Tafel 37],
1898
[Brosius S.222ff] und 1907
[SB 1907 S.22ff] schreiben vor:
Nachtzeichen Haupt- u. Vorsignale
| "Freie Fahrt" | ein grünes Licht |
| "Halt" | ein rotes Licht |
| "Freie Fahrt erwarten" | ein weißes Licht (nach rückwärts: mattweiß) |
| "Halt erwarten" | ein grünes Licht |
Die in der Signalzeichnung nicht eingefärbten (meist runden) Blendscheiben trugen
demnach diese Farben.
Anweisung vom 23.Januar 1905
Abb.:
Musterzeichnung Signalanstriche von 1905 (linker Teil) [EMO]
Die Signale sind vereinfacht! Die Farben- und Angaben sind buchstäblich übernommen.
Neuzeichnung Verfasser nach Farbreproduktion in [EMO]
Abb.:
Musterzeichnung Signalanstriche von 1905 (rechter Teil) [EMO]
Die Signale sind vereinfacht! Die Farben- und Angaben sind buchstäblich übernommen.
Neuzeichnung Verfasser nach Farbreproduktion in [EMO]
Neue Nachtzeichen der Vorsignale 1910
Die Verwendung eines grünen Lichtes beim Nachtzeichen "Halt erwarten"
war sehr verwirrend.
Schon 1902 machte Prof. R. Ulbricht in Sachsen den Vorschlag, für
| "Freie Fahrt erwarten" | 2 nach rechts ansteigende grüne Lichter |
| "Halt erwarten" | 2 nach rechts ansteigende gelbe Lichter |
zu signalisieren.
[Pottgießer S.83]
Ab 1907 wurden Versuche auf der Strecke von Dresden nach Bodenbach(sä) (heute Decin n.hl.)
durchgeführt.
[SR2 S.67, EM S.38]
Am 12.März 1910 wurden sie in die
Signalordnung aufgenommen und eine Übergangsfrist bis Ende 1919 festgelegt.
[Pottgießer S.82, SR2 S.67]
Im preußischen Netz wurden diese neuen Nachtzeichen binnen 3 Jahren flächendeckend
eingeführt.
[Pottgießer S.83]
Anweisung vom 6.September 1912
Abb.:
Musterzeichnung Signalanstriche von 1912 (linker Teil) [EMO]
Die Signale sind vereinfacht! Die Farben- und Angaben sind buchstäblich übernommen.
Neuzeichnung Verfasser nach Farbreproduktion in [EMO]
Abb.:
Musterzeichnung Signalanstriche von 1912 (mittlerer Teil) [EMO]
Die Signale sind vereinfacht! Die Farben- und Angaben sind buchstäblich übernommen.
Neuzeichnung Verfasser nach Farbreproduktion in [EMO]
Abb.:
Musterzeichnung Signalanstriche von 1912 (rechter Teil) [EMO]
Die Signale sind vereinfacht! Die Farben- und Angaben sind buchstäblich übernommen.
Neuzeichnung Verfasser nach Farbreproduktion in [EMO]
Das Räumsignal-Nachtzeichen zu "Fahrstraße räumen" war ein größeres, mattweißes, viereckiges Licht.
Das Räumsignal-Nachtzeichen zu "Fahrstraße wieder zum Rangieren nutzbar" war ein kleines, mattweißes
Licht einer Signallaterne.
[SO 1922 S.82f, SB 1907 S.74]
Nachts wurde an Haltscheiben "Der Zug soll halten" durch ein rotes Licht signalisiert.
"Wo die Haltscheibe nur nach einer Seite das Haltsignal zu zeigen braucht, erscheint auf der
anderen bei Dunkelheit nur ein kleines weißes Sternlicht.
Für Fahrt frei zeigt sich dann bei Dunkelheit nach beiden Seiten volles weißes Licht"
[SO 1922 S.80f, SB 1907 S.72f]
Ausführungszeichnung 118
Vom März 1893 ist die Ausführungszeichnung 118 "Streckenausrüstungsgegenstände für Nebenbahnen."
erhalten. Mir liegen eine kurzzeitig nachgetragene
[ehemals www.railserve.de/dow/0231.pdf] und eine etwas länger nachgetragene Fassung
[Hochbauten Umschlag (S.115)]vor. Die Nachträge sind aber nur in Lücken gemalt und verdecken oder verändern die Originalzeichnungen nicht.
Nur die rote Farbe ist explizit eingezeichnet. Schwarz für komplett beschriebene Flächen und weiß für freigelassenes Papier folgt aber aus einem Vergleich mit den folgenden Signalbucheinträgen:
| Läuteanfangstafel: | "weiße Tafel mit schwarzem A und roten Ecken" lt. SB 1935 S.172 |
| Läuteendetafel: | "weiße Tafel mit schwarzem E und roten Ecken" lt. SB 1935 S.172 |
| Weichengrenzzeichen: | "weiß gestrichenen Steine" lt. SB 1907 S.7 |
Man beachte auch die fein säuberliche Unterscheidung der Hektometersteine mit schwarz ausgelegten Ziffern und der Grenzsteine mit nicht ausgelegten Kreuzen.
[vgl. Hektometerstein SA5 S.160]
Abb.:
Ausführungszeichnung 118 vom März 1894
Rekonstruktion der nichtnachgetragenen Fassung
Maßangaben sind weggelassen
Unmaßstäbliche Neuzeichnung: Verfasser nach Repro[Hochbauten S.115]
Läutetafeln
Schon in "Die schmalspurigen Staatseisenbahnen im Königreich Sachsen" von 1895
sind typische Läutetafeln mit "A", "E" und den typischen Ecken abgebildet.
[Ledig S.14ff]
Nach Ausführungszeichnung 118 waren die Ecken damals schon rot.
Das Signalbuch von 1907 geht auf die Farben nur mit "weiße Tafel" ein.
[SB 1907 S.76]
Im Signalbuch von 1922 sind die Läutetafeln wie unten gezeichnet (weiß mit roten Ecken) aufgeführt.
Erst das Signalbuch von 1935 beschreibt alle vorkommenden Farben.
Im Anhang für die Rbd Dresden kann man lesen: "Eine weiße Tafel mit schwarzem A und roten Ecken links unten und rechts oben"
[SB 1935 S.172] beziehungsweise
"Eine weiße Tafel mit schwarzem E und roten Ecken rechts unten und links oben"
[SB 1935 S.172]
Abb.:
Läutebeginn und Läuteende
Neuzeichnung Verfasser nach Zeichnung in [Schubert S.119ff]
Signaltafeln
Die Signaltafeln mit Angaben in Stundenkilometern, Pfeiftafel und ähnliche
waren mit "schwarzer Schrift auf hellgelbem Felde" auszuführen.
[SB 1907 S.76f, SB 1922 S.84f]
Sie wurden gegebenenfalls auch unterhalb einer Läutetafel am selben Signalmast angebracht.
Laut Signalbuch von 1922 konnten Signaltafeln (außer der Pfeiftafel) auch als beleuchtete Kastensignale
(schwarze Schrift auf mattweißem, leuchtenden Grund) ausgeführt sein.
[SB 1922 S.86]
Abb.:
Beispiele Signaltafeln und Kombination mit Läutetafel
Neuzeichnung Verfasser nach Zeichnung in [Schubert S.119ff]
Neigungsanzeiger
Die oben genannte Ausführungszeichnung 118 belegt die rote Umrandung der Neigungswechselzeichen. Weitere Farbangaben sind nicht gemacht. Eine Ausführung mit schwarzer Schrift auf weißem Grund wie in der Zeichnung liegt wie oben ausgeführt nahe.
[vgl. SA5 S.45]
Die Holzpfosten scheinen sehr oft
[SA2 S.125, SA6 S.65f] aber nicht immer
[SA5 S.39] weiß angestrichen worden zu sein.
Die Metallpfosten der Gußschilder erscheinen dagegen dunkel.
[SA5 S.127]
Halt-Tafeln
Die obige Ausführungszeichnung 118
[Hochbauten Umschlag (S.115)] legt auch eine weiße Farbgebung mit schwarzer Schrift der Warnschilder an Bahnübergängen nahe.
Viele Fotos scheinen diese Ausführung zu zeigen.
[Ansichtskarten II S.199][SA5 S.135, AKI S.223] In Einzelfällen kommt auch eine inverse Darstellung (dunkel mit heller Schrift) vor.
[SA 2 S.64f][SR6 S.18]
Auch ein anscheinend nur noch einfarbig rostendes Gußschild ist belegt.
[SA2 S.78]
Die Pfosten scheinen oft
[SA5 S.135, AKI S.223][SA6 S.65] aber nicht immer
[SA3 S.67, S.106]
weiß angestrichen worden zu sein.
Weichengrenzzeichen
Zu den noch heute oft zu sehenden sächsischen Weichengrenzzeichen vermerken die Signalbücher
von 1907 und 1922 folgendes:
"Das Merkzeichen besteht in der Regel aus einem über die Bahnfläche hinausragenden,
oben abgerundeten,
weiß gestrichenem Steine."
[SB 1907 S.74f, SO 1922 S.83, Hervorhebung Verf.]
Sehr schöne Fotos finden sich in den Schmalspuralben.
[SA1 S.90][SA5 S.116]
Befehlstab
Der Befehlsstab zum Geben eines Abfahrtssignals am Bahnsteig hatte am Vorderende
eine weiße runde Scheibe mit grünem Rand. Nachts wurde eine grüne Laterne verwendet
[S0 1922 S.93]
Weiterverwendung bei der Deutschen Reichsbahn
Die Reichsbahn konnte nach ihrer Gründung nicht schlagartig alles verändern.
Noch um 1930 waren sächsische Signale mit obigen Anstrichen zu finden.
[SR2 S.66f]
Die Läutetafeln und einige Signaltafeln sind im Anhang des Signalbuches vom 1.April 1935 und sogar
noch im Signalbuch der Deutschen Reichsbahn von 1950 abgebildet.
[SB 1935, SB 1950]
Nach 1950 waren die Tafeln aber sicher nicht mehr lange in Betrieb.
Noch nicht ausgewertete Quellen
Im Mitteilungsblatt der Generaldirektion der K.Sächs.Sts.E.B. sind immer wieder Aufforderungen
an die Signalmeistereien zu finden, sich an die Anweisungen zu halten. Dabei werden auch Details der
Signalanstriche beschrieben.
Nils Moh
(merman bei arcor.de)
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