Die Signale

Bei schwarzweißen Photographien fragt man sich oft, welche Farben die abgebildeten Signale hatten. Zum Glück sind einige Vorschriften bekannt, die das Rätsel weitgehend lösen.

Nachtzeichen

Die Signalordnungen für das deutsche Reich von 1892 [Pottgießer Tafel 37], 1898 [Brosius S.222ff] und 1907 [SB 1907 S.22ff] schreiben vor:
Nachtzeichen Haupt- u. Vorsignale
"Freie Fahrt" ein grünes Licht
"Halt" ein rotes Licht
"Freie Fahrt erwarten" ein weißes Licht (nach rückwärts: mattweiß)
"Halt erwarten" ein grünes Licht
Die in der Signalzeichnung nicht eingefärbten (meist runden) Blendscheiben trugen demnach diese Farben.

Anweisung vom 23.Januar 1905

Signalzeichnung 1905 Teil 1
Bild 1:    Musterzeichnung Signalanstriche von 1905 (linker Teil) [EMO]
Die Signale sind vereinfacht! Die Farben- und Angaben sind buchstäblich übernommen.
Neuzeichnung Verfasser nach Farbreproduktion in [EMO]

Signalzeichnung 1905 Teil 2
Bild 2:    Musterzeichnung Signalanstriche von 1905 (rechter Teil) [EMO]
Die Signale sind vereinfacht! Die Farben- und Angaben sind buchstäblich übernommen.
Neuzeichnung Verfasser nach Farbreproduktion in [EMO]

Neue Nachtzeichen der Vorsignale 1910

Die Verwendung eines grünen Lichtes beim Nachtzeichen "Halt erwarten" war sehr verwirrend.
Schon 1902 machte Prof. R. Ulbricht in Sachsen den Vorschlag, für
"Freie Fahrt erwarten"2 nach rechts ansteigende grüne Lichter
"Halt erwarten" 2 nach rechts ansteigende gelbe Lichter
zu signalisieren. [Pottgießer S.83]

Ab 1907 wurden Versuche auf der Strecke von Dresden nach Bodenbach(sä) (heute Decin n.hl.) durchgeführt.[SR2 S.67, EM S.38]
Am 12.März 1910 wurden sie in die Signalordnung aufgenommen und eine Übergangsfrist bis Ende 1919 festgelegt. [Pottgießer S.82, SR2 S.67] Im preußischen Netz wurden diese neuen Nachtzeichen binnen 3 Jahren flächendeckend eingeführt.[Pottgießer S.83]

Anweisung vom 6.September 1912

Signalzeichnung 1912 Teil 1
Bild 3:    Musterzeichnung Signalanstriche von 1912 (linker Teil) [EMO]
Die Signale sind vereinfacht! Die Farben- und Angaben sind buchstäblich übernommen.
Neuzeichnung Verfasser nach Farbreproduktion in [EMO]

Signalzeichnung 1912 Teil 1b
Bild 4:    Musterzeichnung Signalanstriche von 1912 (mittlerer Teil) [EMO]
Die Signale sind vereinfacht! Die Farben- und Angaben sind buchstäblich übernommen.
Neuzeichnung Verfasser nach Farbreproduktion in [EMO]

Signalzeichnung 1912 Teil 2
Bild 5:    Musterzeichnung Signalanstriche von 1912 (rechter Teil) [EMO]
Die Signale sind vereinfacht! Die Farben- und Angaben sind buchstäblich übernommen.
Neuzeichnung Verfasser nach Farbreproduktion in [EMO]

Das Räumsignal-Nachtzeichen zu "Fahrstraße räumen" war ein größeres, mattweißes, viereckiges Licht.
Das Räumsignal-Nachtzeichen zu "Fahrstraße wieder zum Rangieren nutzbar" war ein kleines, mattweißes Licht einer Signallaterne.[SO 1922 S.82f, SB 1907 S.74]

Nachts wurde an Haltscheiben "Der Zug soll halten" durch ein rotes Licht signalisiert. "Wo die Haltscheibe nur nach einer Seite das Haltsignal zu zeigen braucht, erscheint auf der anderen bei Dunkelheit nur ein kleines weißes Sternlicht. Für Fahrt frei zeigt sich dann bei Dunkelheit nach beiden Seiten volles weißes Licht" [SO 1922 S.80f, SB 1907 S.72f]

Läutetafeln

Schon in "Die schmalspurigen Staatseisenbahnen im Königreich Sachsen" von 1895 sind typische Läutetafeln mit "A", "E" und den typischen Ecken abgebildet.[Ledig S.14ff] Leider ist keine Farbangabe dabei. Das Signalbuch von 1907 geht auf die Farben ebenfalls nicht ein. Im Signalbuch von 1922 sind die Läutetafeln wie unten gezeichnet (weiß mit roten Ecken) aufgeführt.

Läutebeginn und Läuteende
Bild 6:    Läutebeginn und Läuteende
Neuzeichnung Verfasser nach Zeichnung in [Schubert S.119ff]

Signaltafeln

Die Signaltafeln mit Angaben in Stundenkilometern, Pfeiftafel und ähnliche waren mit "schwarzer Schrift auf hellgelbem Felde" auszuführen.[SB 1907 S.76f, SB 1922 S.84f]
Sie wurden gegebenenfalls auch unterhalb einer Läutetafel am selben Signalmast angebracht.

Laut Signalbuch von 1922 konnten Signaltafeln (außer der Pfeiftafel) konnten auch als beleuchtete Kastensignale (schwarze Schrift auf mattweißem, leuchtenden Grund) ausgeführt sein.[SB 1922 S.86]

Signaltafeln
Bild 7:    Beispiele Signaltafeln und Kombination mit Läutetafel
Neuzeichnung Verfasser nach Zeichnung in [Schubert S.119ff]

Weichengrenzzeichen

Zu den noch heute oft zu sehenden sächsischen Weichengrenzzeichen vermerken die Signalbücher von 1907 und 1922 folgendes:
"Das Merkzeichen besteht in der Regel aus einem über die Bahnfläche hinausragenden, oben abgerundeten, weiß gestrichenem Steine." [SB 1907 S.74f, SO 1922 S.83, Hervorhebung Verf.]

Befehlstab

Der Befehlsstab zum Geben eines Abfahrtssignals am Bahnsteig hatte am Vorderende eine weiße runde Scheibe mit grünem Rand. Nachts wurde eine grüne Laterne verwendet [S0 1922 S.93]

Weiterverwendung bei der Deutschen Reichsbahn

Die Reichsbahn konnte nach ihrer Gründung nicht schlagartig alles verändern.
Noch um 1930 waren sächsische Signale mit obigen Anstrichen zu finden.[SR2 S.66f]
Die Läutetafeln und einige Signaltafeln sind im Anhang des Signalbuches vom 1.April 1935 und sogar noch im Signalbuch der Deutschen Reichsbahn von 1950 abgebildet.[SB 1935, SB 1950] Nach 1950 waren die Tafeln aber sicher nicht mehr lange in Betrieb.

Noch nicht ausgewertete Quellen

Im Mitteilungsblatt der Generaldirektion der K.Sächs.Sts.E.B. sind immer wieder Aufforderungen an die Signalmeistereien zu finden, sich an die Anweisungen zu halten. Dabei werden auch Details der Signalanstriche beschrieben.

Nils Moh
(merman bei arcor.de)

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