Die Güterwagen
Mit kleinen Hieben fällt man auch große Bäume.
(Benjamin Franklin, amer. Politiker, 1706 - 1790)
Illustrierter Überblick
Die sächsischen Güterwagen waren von 1865 bis mindestens 1909 grau gestrichen. Auch die Seiten der Langträger und die Pufferbohlen trugen diese Farbe. Die Anschriften waren gelb mit schwarzen Schatten ausgeführt.
Ab 1909 setzten sich einfachere, unschattierte Anschriften durch. Zuerst gab es noch schwarze Anschriften auf grauem Grund, die jedoch bald durch weiße Anschriften auf braunem Grund verdrängt wurden. Diese Vorschriften wurden nach preußischem Vorbild im ganzen Staatsbahnwagenverband eingeführt.
Schmalspurwagen waren im Wesentlichen wie Normalspurwagen gestaltet.
Abb.:
Gedeckter Güterwagen vor 1910
Gedeckter Güterwagen (Schmalspur): Krone links, Schrift rechts: gelb mit Schatten,
Langträger sollte in Kastenfarbe sein, 9,0qm Bodfl., keine Militäranschriften
Foto: Verfasser (Radebeul 2008)
Abb.:
Offener Güterwagen vor 1910
Offener Güterwagen (Schmalspur): Schrift links, Krone rechts: gelb mit Schatten,
Langträger in Kastenfarbe
Foto: Verfasser (Radebeul 2008)
Abb.:
Selbstentladewagen von 1909
[GW-Archiv 1 S. 110, Preuß S.27f]
Einzige belegte Wagenbauart (außer Kühlwagen) mit grauem Aufbau,
schwarzen Langträgern und Verbandsanschriften.
Foto/Modell: Verfasser 2010
Abb.:
Offener Güterwagen nach 1910
Offener Kohlewagen nach Verbandsbauart A6 in Beschriftung des Staatsbahnwagenverbandes
(Museumswagen Verkehrsmuseum Dresden)
Foto: Verfasser (Radebeul 2008)
Ausführliche Betrachtungen
Farbe der Aufbauten
In der Literatur ist immer wieder von der grauen Farbe sächsischer Güterwagen die Rede.Schon 1865 wird in einer Liste deutscher Eigentumsmerkmale für die Sächsisch Östliche und die Sächsisch Westliche Staatsbahn jeweils grau als Wagenfarbe aufgeführt.[Diener(GW) S.8f]
Auch 1875 wird in einer Liste "bleigrau" als Farbstoff der sächsischen Staatsbahnen erwähnt.[Diener(GW) S.10f]
Das 1896 herausgegebene "Alphabetische Verzeichniss der Eigenthums-Merkmale der Eisenbahn-Güterwagen" vermerkt (in damaliger Schreibweise) für die Sächsischen Staatseisenbahnen: [Merkmale1896 S.30f, teilw. zitiert in Diener(GW) S.12ff]
| 1 | Laufende Nr. | 238 |
| 2 | Eigenthums-Merkmale der Wagen an den Seitenwänden. | [gemalte Krone] K.Sächs. Sts.E.B. |
| 3 | Eigenthums-Merkmale der Wagen an den Langträgern. | K.Sächs.Sts.E.B. (nur an offenen Wagen). |
| 4 | Farbe des Wagens. | grau |
| 5 | Farbe der Anschriften. | gelb, schwarz schattirt |
| 6 | Ersatzstücke sind zu verlangen von: | Maschinen-Hauptverwaltung der Kgl.S.Sts.-E., Chemnitz. |
| 7 | Brauchbare, sowie solche un- brauchbar gewordene Wagen- theile, welche von der Wagen- Eigenthümerin verlangt wer- den, sind zurückzusenden an: | Magazin-Hauptverwaltung der Kgl.S.Sts.-E., Chemnitz. |
| 8 | Eisenbahnen. | Sächsische Sts.-E. |
Diese graue Farbe ist auf einer ganzen Reihe Fotos bis 1904 klar erkennbar (vgl. Tabelle 1 und 2).
In der Literatur wird Fehgrau (RAL 7000) angegeben.[Diener GW S.21]
Allerdings stehen die verwendeten Quellen nicht dabei. (Modelle, aber welche? Im VMD gibt es eine Reihe Fantasiemodelle.)
Die grauen Wagen dunkelten stark nach, was einige "geflickte" Wagen deutlich belegen.
[Schmalspurtransportwagen SR6S.80][Legende I K S.61][Legende IK S.31][Schmalspur G-Wagen in Schmalspuralbum1 S.136, daneben hellgrauer Schmalspurwagen]
[SSk in Seku S.128] (vgl. auch 4.Klasse unter Personenwagen)
Dunklere Flicken auf ausgeblichenen Wagen kamen aber auch vor,
z.B. die 1899 aufgebrachte neue Wagennummer auf Ow 3017K fotografiert 1900 in Strehla/Elbe.[Legende IK S.141]
Wohl 1909 wurden noch Selbstentladewagen mit grauem Aufbau (und dunklem Langträger!) ausgeliefert. Allerdings ist das Werkfoto[GW-Archiv 1 S. 110, Fremo HP1 1/1986 S.7] retuschiert und ein Betriebsfoto[Preuß S.28 spiegelverkehrt] nicht datiert.
1910 spricht die Liste der Eigentumsmerkmale dann von rotbraunen Wagen (mit weißer Schrift). Eilgutwagen für Personenverkehr (gedeckte Güterwagen für schnelle Züge - oft dreiachsig) waren grün mit gelber Schrift. (Ich vermute diese Farbe auch bei Personenzug-Packwagen) [Diener(GW) S.19ff]
Ab 1.1.1911 schrieben die Vorschriften des Staatsbahnwagenverbandes
(gedacht zur freizügigen Wagennutzung innerhalb des Verbandes,
ähnlich der späteren RIV oder Europ-Wagen) einen braunen Anstrich mit weißen Aufschriften vor.
Nach vorliegenden Fotos wurden diese Vorschriften auch in Sachsen umgesetzt (s.Tabelle 3).
Wärmeempfindliche Wagen (z.B. Fischwagen) wurden weiß mit schwarze Anschriften ausgeführt.[600145P] [Diener(GW) S.22]
Untergestell, Dach und Co.
Dach
Die Herstellung der Dichtungsmasse für sächsische Güterwagendächer ist in einer Auflistung von 1910 beschrieben. Danach war die Dachfarbe im Neuzustand vermutlich braungrau.[Diener(GW) S.26]
Die Herstellungsvorschrift für Dächer des Staatsbahnwagenverbandes führte zu einem hell rötlichen oder bräunlichen Aussehen.[Diener(GW) S.26]Untergestell
Die Langträger auf den Fotos vor 1909 wirken für schwarz viel zu hell.
Die Langträger und Pufferbohlen waren in Kastenfarbe [Gm 14483] (weiß bei Bierwagen [7249]) oder
prinzipiell grau bei Kesselwagen [Wilhelmy] oder Flachwagen [SSm].
Das Werkfoto des Schmalspurwagen K.4546 von 1902 [Görlitz S.75] zeigt eindeutig einen
grauen Langträger und einen grauen Aufbau. Interessanterweise ist auch das Sprengwerk grau.
Die Drehgestelle sind aber auch hier schwarz.
Das restliche Untergestell (Radhalter und Bremsanlage) war immer sehr dunkel, sicherlich schwarz.
In mindestens einem Fall noch mit grauem Aufbau[GW-Archiv 1 S. 110, Fremo HP1 1/1986 S.7] [Preuß S.28 spiegelverkehrt] wurden die Langträger 1909 schwarz gestrichen.
Nach 1910 wurden die Langträger, Pufferbohlen und Untergestelle wohl komplett schwarz gestrichen.[4994K]Puffer
Vor 1910 waren die Puffer ganz schwarz [Gm 18133]oder der Puffersockel in Wagenkastenfarbe.[grau: Gm 14483, Wilhelmy][weiß: 7241] Beides war offenbar nicht ungewöhnlich. Der Pufferstößel war immer schwarz.
Nach Einführung brauner Aufbauten mit komplett schwarzen Untergestellen 1911 sind nur noch dunkle (schwarze) Puffer zu finden.
Bahnverwaltungs- und Wagennummernanschrift
Anschriften vor 1909
Bei gedeckten Wagen wurden Krone und Wagennummer links auf der Seitenwand aufgemalt, die Eigentumsanschrift "K.Sächs.Sts.E.B." entsprechend rechts.[GGw 1935 K, Gm 18133]Bei offenen Wagen (außer dem ältesten Foto des O 7520) war die Anordnung vertauscht, d.h. Krone rechts und Schrift links.[O 13817],[O 9236],[OOw 4480],[Bf Geyer nach 1906 (Ansichtskarten I S.217, Seku S.13)], [Bf Riesa nach 1899 Sachsenreport Bd.1 S.68f]
Bei Bierwagen ist auch die Anschrift "K.Saechs.Sts.E.B." ohne Umlaut auf Werkfotos dokumentiert.
Die Schrift ist schwarz schattiert.
Auf Bierwagenfotos (z.B. 7201) wirken die Anschriften manchmal unschattiert und schwarz. Möglicherweise hatte der private Fahrzeugeinsteller hier einen Gestaltungsspielraum. Bei einer anderen Bahnverwaltung ist solcherart "künstlerische Freiheit" fotografisch belegt (Pfalzbahn Wagen 9208 "Bierbrauerei H. Jaenisch" [Spielhoff S.173]).
Bei Fakultativ- [6046] und Schmalspurwagen findet man eine identische (ebenfalls schattierte) Schriftform.[OOw No 4480 K],[GGw 1935 K]
Übergangsformen neuer Anschriften
Bereits 1909 ist ein Selbstentladewagen mit neuen, unschattierten Anschriften dokumentiert. Der Wagen hat einen grauen Aufbau mit den neuen Anschriften in dunkler Farbe (vgl. Wärmeschutzwagen). [GW-Archiv 1 S. 110 retusch?][Preuß S.28 spiegelverkehrt, nicht retusch]
Die neue Anschriftform in alter, verschnörkelter Schrift zeigt ein Bassinwagen auf einem Foto vom 11. Juni 1912 (Eisenbahnunfall Wünschendorf).[Ansichtskarten II S.137]
Neue Anschriften nach 1910
1910 gibt die Liste der Eigentumsmerkmale "rotbraune Wagen mit weißer Schrift" an (und grüne Eilgutwagen mit gelber Schrift).[Diener(GW) S.19ff]Die Vorschriften des Staatsbahnwagenverbandes (gedacht zur freizügigen Wagennutzung innerhalb des Verbandes, ähnlich der späteren RIV oder Europ-Wagen) schrieben ab 1.1.1911 einen braunen Anstrich mit weißen Aufschriften vor. Für helle Wagen (z.B. Wärmeschutzwagen) wurden schwarze Anschriften vorgeschrieben.[Diener(GW) S.22]
Die Verbandsvorschriften sind noch erhalten und im Buch von Wolfgang Diener weitgehend zitiert.[Diener(GW) S.77ff]
Die meisten Wagen bekamen diese weißen Anschriften auf braunem Grund (siehe Tabelle 3) Wärmeempfindliche Wagen bekamen nach Verbandsvorschrift schwarze Anschriften auf ihren weißen oder grauen Kasten so z.B. ein dreiachsiger Fischtransportwagen von 1914.[600145P]
Bei Kesselwagen wurden die weißen Anschriften an Blechtafeln am Rahmen [EK 11.94 S.84][505088P] oder am Kessel angebracht.[Nicolae Feher]
Im Gegensatz zu anderen Bahnverwaltungen bekamen wohl auch Privatwagen ( mit [P] nach der Wagennummer gekennzeichnet) die Eigentumskrone aufgemalt.[Nicolae Feher][600145P][EK 11.94 S.84]
Den vorliegenden Fotos nach wurden die neuen Vorschriften auch auf ältere Wagen und Spezialfahrzeuge angewendet. So sieht man dunkle (braune) Selbstentladewagen mit weißen Anschriften nach 1914 an einer Sandverladung stehen.[Preuß S.27 spiegelverkehrt] Offenbar wurde für diese Wagen irgendwann das neue Anstrichschema übernommen.
Nach 1918 wurden Wagen mit "Sächs.Sts.E.B." beschriftet.
Dies lässt sich für Normalspurwagen [SR6 S.89] und Schmalspurwagen [Seku S.14] nachweisen.
Ein einzelnes Normalspurvorbildfoto von 1920 (Km 36978) zeigt allerdings den Schriftzug "Sachsen" statt "Sächs.Sts.E.B.".
Offenbar wurde das königliche "K" nicht sofort entfernt.
Auf einer Betriebsaufnahme ist Wagen 4826 K mit
"Sächs.Sts.E.B." an Wagen 3498 K mit "K.Sächs.Sts.E.B." gekuppelt.[Seku S.14]
Abb.:
Kesselwagen der rumänischen Erdölfirma Nicolae Feher
Gestaltung nach Werkfoto [Werdau100 S.77] mit Eigentumsanschriften am Kessel
Foto: Mit frdl. Genehmigung von Florin Vornicu (Modell: Tillig)
Abb.:
Kesselwagen ohne konkretes Vorbild
Eigentumsanschriften an Tafel nach unretuschiertem Foto [EK 11/94 S.85]
Foto/Retusche: Verfasser
Bodenflächenanschrift
In der oberen linken Ecke der Wagenkastenseitenwand stand die Angabe der Bodenfläche z.B. "18,4 qm Bodfl."[14483]Bei offenen Wagen war die Angabe wohl am Langträger zu finden.[OOw 4480 K]
Diese Angabe war nach den Fotos in Tabelle 2 weiß oder sehr hell mit schwarzem Schatten. Bei weißen Kühlwagen jedoch dunkel, vermutlich schwarz.
Nach 1910 wurden sie weiß (auf den dann braunen Wagen) nach den neuen (Verbands-) Vorschriften ausgeführt (vgl. Bild 3).
Militäranschriften
Nur bei normalspurigen gedeckten Wagen stand unter der Bodenflächenangabe je nach militärischer Verwendungsmöglichkeit z.B. "40 Mann" und/oder "8 Pferde".(Die Beispielangaben sind vom Wagen 14483)
Bei Fakultativwagen fehlt die Angabe für Pferde, bei Wärmeschutzwagen fehlen beide Angaben, weil sie zum Militärtransport ungeeignet sind. Diese Angabe war auf den grauen Wagen nach den u.g. Fotos weiß oder sehr hell mit schwarzem Schatten.
Nach 1910 wurden sie weiß (auf den dann braunen Wagen) nach den neuen (Verbands-) Vorschriften ausgeführt. [vgl. AnsichtskartenII S.48 und S.137]
Nils Moh
(merman bei arcor.de)
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