|
Auch bei den Wagen lohnt es sich genauer hin zu sehen. Es ist
zwar wie bei den Lokomotiven, Farbbilder gibt es nicht und unser alter Freund,
der Impressionist Pleuer, ist auch hier nicht unbedingt verlässlich. Aber der
uns nun von den Lokomotiven her bekannte H. Douglas Bennett hat sich natürlich
auch die Wagen angeschaut und dankenswerter weise darüber berichtete. Hier nun,
wie bei den Lokomotiven, der Versuch Bekanntes zusammenzutragen.
Die Personenwagen:
Bennett schreibt hier: "First and second class coaches are
painted a dark olive green and varnished, the part reserved for first-class
having, as a distinetion, a thin yellow line painzed round that part of carriage;
third-class coaches are of a reddish-brown color, unvarnished, and all coaches
have Roman nummerals denoting their class painted on the sides in Yellow or
gold."
Also, erste und zweite Klasse dunkles Olivegrün glänzend (varnished wird wohl so
gemeint sein), dritte Klasse rotbraun matt. Die erste Klasse ist durch gelbe
Umrandung hervorgehoben. Die Klassen sind in römischen Ziffern gelb oder golden(!)
angemalt.
Ab 1906 kam die vierte Klasse hinzu. Zunächst aus herunter gestuften dritter
Klasse Wagen, die ihre rotbraune Lackierung behielten (wenigstens bis zur
nächsten Neulackierung). Später im grauen Farbkleid und immer mit arabischen
Ziffern gekennzeichnet. Vierter Klasse Wagen mit römischen Ziffern sind nicht
bekannt.
Alle anderen Wagenklassen trugen die Klassenbezeichnung bis 1906 als römisch
Ziffern.

Ein kleiner, zweiachsiger dritte Klasse Wagen. Der E 177, mit den genannten
gelben Klasseziffern in Neustadt a.d.Weinstraße.

Noch mit römischen Ziffern, allerdings in Weiß.

Im grauen Kleid und mit arabischen Ziffern.
Die Gepäck- und Postwagen waren, wie die Güterwagen, dunkelgrün
lackiert.
Die Güterwagen:
Auch hier meldet sich Bennett zu Wort: "All goods wagons are
painted a darkish green with "Wuerttemberg", as number in withe, and bisides the
load wich can be carried, each covered goods wagon and truck has painted upon it
particulars as to the number man and horses able to transported in each in time
of war."
So, so? Ein wenig mehr dürfte schon an den Seitenwänden und Längsträgern 1901
schon angeschrieben gewesen sein. Wolfgang Diener nennt hier als Quelle das ab
1886 gültige "Bahnpolizei-Reglement für die Eisenbahnen Deutschlands". Danach
waren nicht nur die Eigentumsanschrift, die Nummer, die Tragfähigkeit und die
militärische Nutzbarkeit angeschrieben, sondern außerdem das Gewicht des Wagens,
das Ladegewicht, die Länge des Radstandes, lose Inventarstücke und das Datum der
letzten Revision. 1891 kamen die Ladegewichtszeichen an den Seiten- und
Stirnwänden hinzu.
Beim Eigentumsmerkmal nennt Wolfgang Diener ab 1864 die Abkürzung K.W.St:E.,
dazu gibt es ein Bild des offenen Güterwagens J.1591 von 1869 in "Die
schwäbische Eisenbahn" von Bernd Beck, der tatsächlich nur das Kürzel und die
Nummer an den Seitenwänden trägt. 1896 waren dann "K.W.St.E." oder
"Württemberg" angeschrieben und später nur noch "Württemberg".
Bis 1905 wurden die Güterwagen in unterschiedlichen Gattungsbezeichnungen
unterteilt. Für Württemberg hat Bernd Beck
im Länderbahnforum eine Aufstellung veröffentlicht. Danach wird es für den
Länderbahnfreund etwas leichter. Die Anschriften entsprechen mehr und mehr dem
Staatsbahnwagenverband und wenigstens die neu beschafften Verbandswagen werden
einheitlich rotbraun gestrichen. ab diesem Zeitpunkt werden auch die preußischen
Gattungsbezeichnungen übernommen. Wie lange noch vorhandene tannengrüne
Anstrichfarben für Neulackierungen verwendet wurden ist mir nicht bekannt.

Nach einem Bild. Die älteste Beschriftung nur mit dem Kürzel.

Ab 1905, noch grün aber schon mit der neuen Gattungsbezeichnung.

Moderner Wagen, moderne Beschriftung. Braun lackiert, in preußischer Manier
beschriftet ab 1905
Im Buch: "Das Wichtigste über Bau und Einrichtung der
Eisenbahnwagen" Metzlersche Verlagsbuchhandlung, 1910, Stuttgart wird folgendes
dazu geschrieben:
a) Außenanstrich eines Güterwagens
Die württ. Güterwagen erhalten neuerdings durchweg einen
rotbraunen Farbanstrich, zu dessen Herstellung ein mehr oder weniger reines
Eisenoxid (auch Carput mortuum, Kolkotar, Morellensalz usw. genannt) verwendet
wird. Das Carput Mortuum ist ein unter den Witterungseinflüssen fast
unveränderlicher, licht- und luftbeständiger, dauerhafter Farbkörper, der der
sich daher für den Außenanstrich der Wagen sehr gut eignet.
Der Anstrich erfolg in vier Stufen.
1. Stufe nachdem sämtliche Eisen- und Holzteile an den Berührungsstellen schon
vor dem Zusammenfügen zweimal mit roter Ölfarbe (Eisenmennige in Leinölfirnis)
gestrichen worden sind, erfolgt der erste Anstrich des Wagenkastens die
Grundierung.
Als Grundierfarbe wird eine Mischung von Eisenmennige mit Leinölfirnis und ganz
wenig Terpentinöl verwendet. Nach dem Trocknen des Grundanstriches werden
sämtliche in den Kastenwänden befindliche Löcher (Schraublöcher usw.) mit
Ölkitt, einer Mischung von drei Telen Kreide und einem Teil Leinöl, ausgekittet,
und dem hieraufder ganze Wagenkasten mit Glaspapier abgeschliffen worden ist
folgt als
2. Stufe ein roter Ölfarbanstrich mit in Leinölfirnis angeriebenem Carput
mortuum (fetter Anstrich).
3.Stufe: Nach dem Trocknen dieses zweiten Anstriches erfolgt ein dritter
Ölfarbanstrich in der selben Farbe.
4. Stufe. Bei dem vierten und letzten Anstrich galangt schließlich eine Mischung
aus Carput mortuum in Waterproof-Firnis zur Anwendung.
Waterproof-Firnis ist ein sehr witterungsbeständiges Präparat, dessen
Hauptbestandteil einfaches Leinöl bildet.
Nach dem Trocknen diese letzten Farbanstriches beginnt alsdann, unter Verwendung
von Papierschablonen, das Aufmalen der Anschriften mit Zinkweißfarbe.
Im Inneren erhalten die Wagen einen zweimaligen grauen Ölfarbanstrich (Zinkweiß,
Kreide, Pariserschwarz und Kienruß angerieben in Leinölfirnis).
Der Boden wird mit Karbolineum getränkt.
Wer zu dem Aufgezählten Ergänzungen oder Korrekturen hat oder
etwa Bildbelege die das Geschriebene untermauern oder widerlegen, sei herzlich
eingeladen sich mit mir in Verbindung zu setzen.
Quellen:
Royal Wuertemberg State Railway.- in „The Railway-Magazine“, Vol.
VIII, London 1901
Anstrich und Bezeichnung von Güterwagen. Wolfgang Diener, Abend Verlag 1992
"Die schwäbische Eisenbahn", Bernd Beck
Persönliche Informationen von Bernd Beck
"Das Wichtigste über Bau und Einrichtung der Eisenbahnwagen" Metzlersche
Verlagsbuchhandlung 1910 Stuttgart
|