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Standard war der vierachsige Durchgangswagen mit offenen
Endbühnen. Die Drehgestelle anfangs noch von hölzerner Bauart, waren ab 1860
ganz aus Eisen und wiesen einen immer größer werdenden Achsstand auf. Nur der
Widerwillen bei schwach besetzten Zügen die langen Vierachser, quasi als tote
Last halbleer mitzuschleppen, veranlasste die sparsamen Württemberger auch
zweiachsige Personenwagen zu beschaffen. Diese aber auch vorzugsweise als
Durchgangswagen mit beidseitigen offenen Bühnen. Auf Bildern fällt auf, dass
sich wohl die höherklassigen Wagen dieser Bauform am längsten gehalten haben.
Dieses Konzept ging anscheinend auf. Die offenen Übergänge erwiesen sich
bei den mehr und schneller werdenden Courierzügen (Schnellzüge) als gefährlich.
Hier sollte der Abteilwagen, wie bei anderen Bahnverwaltungen, Abhilfe schaffen.
Beim württembergischen Publikum fand diese Lösung jedoch keinen rechten Anklang.
Zwei- und dreiachsige Coupewagen konnten sich über ein paar halbherzige Versuche
hinaus in Württemberg allerdings nicht durchsetzen.

Personenwagen und ein Stückgutwagen. Ganz vorne
im Zug ist einer der seltenen Abteilwagen zu sehen. Foto: Haus der Geschichte
Baden Württemberg.

Personenwagen und Gepäckwagen. Foto: Haus der
Geschichte Baden Württemberg.
Das Für und Wider wurde mit heute zum Teil etwas
befremdlich wirkenden Argumenten untermauert.
So galt es einfach als unschicklich wenn viele Menschen in
einem offenen Raum einander beim Dösen beobachten konnten und der Verzehr
mitgebrachter Speisen quasi in der Öffentlichkeit geschah. Soweit die Pro
Abteilwagenfraktion. Schon etwas widersprüchlicher wurde die Sache wenn die
bloße Anwesenheit mehrerer Mitreisender insbesondere im Sommer als Belästigung
empfunden wurde. Ich nehme an, dass die drangvolle Enge eines kleinen Abteils
sicherlich nicht angenehmer war nur weil es weniger Fahrgäste barg.
Schließlich war man ja nicht alleine in einem Abteil. Es war lediglich eine
kleinere Anzahl an Mitreisenden. Trotzdem hielt beispielsweise Preußen lange
daran fest dass lange Strecken nur im Coupewagen einigermaßen komfortabel
zurückzulegen wären. Obwohl doch gerade die kurzen Strecken mit häufigem
Fahrgastwechsel die Stärke der Abteilwagen war. Es war ja lediglich ein Abteil
das direkt bestiegen oder verlassen werden konnte.
Ganz anders wurde in Württemberg argumentiert. Die
großräumigen Wagen wurden als angenehmer empfunden. Man konnte sich im Zug
bewegen und war nicht auf das einmal gewählte Abteil festgelegt in dem man
vielleicht zu sechst sitzen musste während nebenan fast leer war. Auch die
Toiletten konnten während der Fahrt aufgesucht werden. Hier war also der
Intercommunikationswagen favorisiert.
Ganz ähnlich wurde im Übrigen anläßlich einer
Wagenlieferung nach Rußland argumentiert. Im Buch „Esslinger Lokomotiven, Wagen
und Bergbahnen“ von Dr. Ing. Max Meyer wird ein Zeitgenosse zitiert:
„Es wird gewiss von jedem zugestanden werden, dass eine
Benutzung der Kommunikation der Wagen seitens des reisenden Publikums sehr zur
Verminderung der Langweiligkeit und Eintönigkeit beitragen muß, schon die
Aussicht, seinen Platz verändern und aus einem Wagen in den anderen gehen zu
können, durch die Möglichkeit, bei Bekannten zu verweilen und
unangenehmer Gesellschaften zu entgehen, wird das Triste des Eisenbahnverkehrs
vermindern, es wird die natürliche gesellschaftliche Stimmung angenehm gehoben,
die bei der jetzigen strengen Kupee-Einteilung ganz verloren geht, und man wird
weit lieber reisen als jetzt, wo man förmlich als Ware eingeschachtelt mit
wildfremden Personen, oft mit Widerwillen empfangen, in gedrückter Stimmung
bleibt, die sich meist bis ans Ende der Fahrt nicht verändert.
Aber auch für die Beamten des Zuges, mit Ausschluss der
Bremser, scheint uns die Traineinrichtung mit ihrer Kommunikation der einzelnen
Wagen eine erhebliche Verbesserung.“
An anderer Stelle wird im gleichen Buch auch auf das
unbequeme Ein- und Aussteigen durch die, vom Lichtraumprofil vorgegebenen,
steilen Tritte der Abteilwagen verwiesen.
Für den schnellen Fahrgastwechsel im Vorortverkehr ersann
die württembergische Staatsbahn den Doppelwagen mit zusätzlichen
Mitteleinstiegen. Das gleiche Prinzip wurde in unseren Tagen bei den
Silberlingen angewandt.
Der Schluss dieser Geschichte ist, wie bei vielen
anderen Bahnverwaltungen auch, in den späteren Schnellzugwagen zu finden die mit
dem Seitengang und den abgetrennten Abteilen beide Bedürfnisse befriedigen
konnte.
Alle Wagen hatten in Württemberg Fenster (auch in der
dritten Klasse), offene Wagen und Wagen ohne Sitzplätze hat es, im Gegensatz zu
anderen Verwaltungen, in Württemberg nie gegeben. Erste und zweite Klasse waren
gepolstert. Beleuchtet wurden sie bis 1883 mit Kerzen und Öl, danach mit Gas.
1860 verschwanden die ledergepolsterten Buffer und wurden von den Federpuffern
ersetzt.
Die vierte Klasse wurde erst 1906 eingeführt. Eigene Wagen wurden dafür zunächst
nicht geschaffen. Es wurden dafür altbrauchbare, vorhandene Wagen
heruntergestuft.
Das äußere Gewand der württembergischen Personenwagen zeigt die übliche
Blechverkleidung, bei den Zweiachsern aber auch die württembergische
Eigentümlichkeit der „Dachlattenverkleidung“.
Die Farben der Wagen beschreibt, in einer zeitgenössischen
Quelle von 1901, ausgerechnet der Engländer H. Douglas Bennett.
Die erste Klasse trug von Anfang an ein grünes Farbkleid
und behielt es auch. Der Teil des Wagens, der die 1. Klasse enthielt war gelb
umrandet. Die Farbgebung für die zweite Klasse war anfangs gelb, später
trug es das Grün der ersten Klasse, gelb war einfach zu empfindlich. Die dritte
Klasse war rotbraun, ähnlich der späteren Güterwagenfarbe. Die vierte Klasse
kam im schlichten Grau daher. Die Gepäckwagen waren tannengrün wie anfangs die
Güterwagen gestrichen. Wahrlich bunte Epoche I, wenn man an die
grenzüberschreitenden Züge denkt die auch noch aus Wagen anderer
Bahnverwaltungen gebildet wurden. Farblich „zusammengepasst“ hat dass sicher
nicht immer.
Bis 1906 wurde die Wagenklasse in römischen Ziffern
angeschrieben. Mit der Einführung der vierten Klasse wurde zuerst diese, später
auch die anderen Klassen in arabischen Zahlen, kurze Zeit in einer schönen
Jugendstilschrift, kenntlich gemacht.
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