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Als die Züge bei der K.W.St.E. laufen lernten.

Foto: Eisenbahnstiftung Joachim
Schmidt
Die Idee zu diesem
Artikel stammt von einem Modellbahnfreund, dem 2005 unter tragischen Umständen
tödlich verunglückten Dr. Costin Manolache. Gedacht war an eine umfassende
Abhandlung zur Zugbildung aller deutschen Länderbahnen. Dazu fehlen mir die
Kenntnisse und aus einem Gemeinschaftsprojekt ist leider nie so recht was
entstanden. Daher nun mein Versuch das Thema wenigstens für Württemberg
aufzugreifen und Dr. Manolaches Idee für diesen Bereich umzusetzen. Ihm sei
deshalb dieser Artikel auch gewidmet.
Selbst für dieses begrenzte Gebiet ist es
schwierig Unterlagen zu finden die Auskunft über die Zugbildung zur damaligen
Zeit geben. Wagenreihungspläne die in einen Zusammenhang mit Zugläufen aus
damaligen Kursbüchern gebracht werden können habe ich leider kaum gefunden. So
bleibt nur die Möglichkeit Grundsätzliches zu erläutern und an hand von
beispielhaften Bildern die Grundzüge der Zugbildung darzustellen. Es entstehen
Bilder, im Wortsinn, bunt gemischter Züge wie sie in der Jugendzeit der
Eisenbahn durch das Königreich Württemberg fuhren. Obwohl sehr früh die
Baugrundsätze für die Fahrzeuge und die Bestimmungen für den Betrieb in ganz
Deutschland vereinheitlicht wurden, gab es doch Unterschiede bei den einzelnen
Länderbahnverwaltungen. Unterschiedliche Spurweiten (badische Breitspur),
verschiedene „Buffer“ und deren Abstände und Abweichungen im Lichtraumprofil.
Wirtschaftliche und technische Notwendigkeiten und die Einsicht, dass alleine
der Binnenverkehr nicht lukrativ genug war, zwangen schließlich doch zu einem
geregelten Miteinander. Bis endlich auch die politischen Gegebenheiten der Verreichlichung auch der Eisenbahnen dem kleinkarierten Partikularismus des
deutschen Flickenteppichs kleiner Fürstentümer ein Ende setzten.
Das Miteinander im Verband
Das „Verhältnis zu anderen Bahnen“ wurde vom 1847 gegründeten „Verein
deutscher Eisenbahnen“ geregelt. Hervorgegangen war er aus dem „Verein der
preußischen Bahnen“ der 1846 gegründet wurde. Schon im Jahr 1850 umfasste dieser
Verein 44 deutsche Bahnverwaltungen und 4 österreichisch – ungarische mit
zusammen 6868 km Bahnnetz. 1909 waren es 40 deutsche Verwaltungen, 15
österreichisch – ungarische, 3 Niederlande und Luxemburg und 3 Belgien, Rumänien
und Russisch-Polen mit insgesamt ca. 105000 km Betriebslänge. Das Stimmrecht der
Mitglieder ergab sich aus der jeweiligen Betriebslänge der eigenen Bahn.
Wie sah dass nun aus, in Württemberg?
Auf die Lokomotiven soll weniger eingegangen werden. Die sind schon häufig,
wenn auch nicht abschließend beschrieben. Die zweckmäßige Bespannung der Züge
erklärt sich aus der Lokomotivbauart. Wobei auf Bildern zu sehen ist, dass in
Württemberg
ältere Personenzuglokomotiven auch vor Güterzügen Dienst leisten mussten. Bemerkenswert für Württemberg ist der
frühe Einsatz von führenden Drehgestellen (mit Unterbrechung während der
Brockmann - Ära) und den Anforderungen der Geislinger Steige, besonders
leistungsfähige Lokomotivbauarten zu entwickeln. Dem Hang zur Sparsamkeit
geschuldet war dabei auf Wirtschaftlichkeit zu achten. Dies hat auch zu den
Mehrfachumbauten von Lokomotiven geführt. So waren auf württembergischen Gleisen
neben Aufsehen erregenden Neuentwicklungen der Esslinger Maschinenfabrik wahre
Methusaleme, wenn auch nicht immer in ihrer ursprünglichen Form, unterwegs.
Die Wagen
Von Anfang an bevorzugte man in Württemberg,
anders als bei den meisten anderen Länderbahnverwaltungen, vierachsige
(achträdrige) Durchgangswagen. Ludwig Klein hatte diese nach amerikanischem
Vorbild beschafft. Hier ging Württemberg einen anderen Weg als die meisten
Bahnverwaltungen die sich dem englischen System, mit dessen kurzen zwei- bzw.
dreiachsigen Abteilwagen, anschlossen. Bei der Lokomotivbeschaffung war dies
zumindest am Anfang genau so. Erst Obermaschinenmeister Brockmann verließ, wie
weiter oben schon erwähnt, 1865 mit seinen steifachsigen Longboilerlokomotiven
ohne führendes Drehgestell diese Linie. Für Württemberg ein Rückschritt.
Doch zurück zu den Wagen.
Ein verhältnismäßig großer Anteil der Wagen
war, wegen der steigungsreichen Strecken, in Württemberg mit einer Bremse
ausgestattet. 1894 waren es immerhin 87% aller Wagen. Anfangs wurde nur die
Hälfte der Räderpaare an einem gebremsten Wagen mit einer Bremse ausgestattet.
Daher wird in der Vorschrift auch auf den Anteil gebremster Räder hingewiesen
und nicht etwa auf den Anteil gebremster Wagen. Ein Unterschied wie man sieht.
Später waren alle Räder eines gebremsten Wagens mit einer Bremse ausgestattet.
Auch hier ging Württemberg eigene Wege. Sehr schnell
setzte sich die Westinghouseluftdruckbremse durch, auf die sich schließlich auch
die anderen Verwaltungen einigten.
Zum Stichtag 1. April 1894 waren 1122
Personenwagen, 6440 Güterwagen und 326 Postwagen vorhanden.
Im allgemeinen ist in der Enzyklopädie des
Eisenbahnwesens, Dr. Freiherr v. Röll, Urban & Schwarzenberg, 1912
das folgende zur Zugbildung zu lesen.
Quellen:
Dr. jur. Supper, Die Entwicklung des Eisenbahnwesens im Königreich Württemberg,
1895, Nachdruck Kohlhammer Edition Eisenbahn, Wolfgang Fiegenbaum (Hrsg.)
Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart, Verlag von Reimar Hobbing in Berlin,
1911.
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